Die originalen Schwarzwaldkrimis von Dr. Roland Weis feiern 20. Geburtstag

1998 erschien der erste Schwarzwaldkrimi von Roland Weis. Mit dem neuen Buch „Hochmoorleichen“ feiert der originale Schwarzwaldkrimi 20-jähriges Jubiläum.

Roland WeisWeis war der erste Autor des Genres Regionalkrimi, der den Tatort Schwarzwald bespielte. Sein Markenzeichen ist es, Regionalgeschichte mit spannenden Mordfällen zu kombinieren. Zudem ist in seinen Büchern nicht alles Fiktion, denn die Schauplätze sowie viele handelnde Personen sind real. Angefangen hat dabei alles mit dem „Güllelochmord“ vor 20 Jahren. Und in der Tat bewegt der engagierte, rührige und sehr gebildete Sechzigjährige die Region Baden mit seinen unzähligen Wörtern, Buchstaben, Geschichten, Informationen, Details, Fachbüchern, Ratgebern und spannenden Krimis.

Dr. Roland Weis ist ein Schwarzwälder Autor, Journalist und Historiker und schreibt, seit er 15 Jahre alt ist. 1958 in St. Georgen / Schwarzwald geboren, schlug er den Weg in Richtung Journalismus ein. Weis studierte und promovierte im Hauptfach Neuere und Neueste Geschichte, Nebenfächer Wirtschafts- und Sozialgeschichte und Wissenschaftliche Politik. 1992-2002 war er Leiter der Nachrichtenredaktion bei Radio FR1 in Freiburg und seither liest sich sein Lebenslauf in unglaublicher Länge. Im Interview denke ich, wow, wie viele Stunden hat denn der Tag von Roland Weis?

„Ich war auch 20 Jahre als Gemeinderat, Kreisrat und Regionalverbandsmitglied kommunalpolitisch tätig“, schmunzelt der Macher, der seit 2002 beim Freiburger Energiedienstleister Badenova beschäftigt und dort die Stabstelle „Unternehmenskommunikation und Marketing“ leitet.

Wie er auf die Idee der Regionalkrimis aus dem Schwarzwald kam – man kennt dabei auch Titel wie „Bierleichen“, „Hexenschuss“, „Der Hirschsprung“ oder „Raubritterblut“ – erklärt er mit einem Live-Studiogast im Radio, nämlich Hans-Albert Stechl, der damals in seinem kleinen Sternwald-Verlag die Krimi-Reihe „Freiburg-Krimis“ herausbrachte. Er erzählte im Interview, dass er gerne auch eine Reihe „Schwarzwald-Krimis“ veröffentlichen würde, das Problem sei jedoch, dass er dafür keine geeigneten Autoren finde.

Bücher

„Weil ich behauptete, dies könne doch wohl nicht so schwer sein, schlossen wir eine Wette ab: Binnen eines halben Jahres wollte ich einen Krimi schreiben, der im Hochschwarzwald spielt“. Diese Wette hat Weis gewonnen, denn der „Güllelochmord“ erschien, mit einer Auflage von 1.000 Büchern. Schnell lechzte dieser Krimi nach einer dreimal so hohen Auflage, weil Weis den Nerv der Leser getroffen hatte. Seine Mischung aus realen Personen und Fiktionen in einer Region, die man kennt – unfassbar gut, diese Idee. Schon 1992 hatte Weis sein erstes Buch über „Würden und Bürden des katholischen Klerus“ geschrieben, mischte auch bei den „Größten Flops der Weltgeschichte“ mit und hatte nebenbei noch einen Nebenjob von 1984 bis 2009 beim Hochschwarwaldkurier. Den Radio Job bewerkstelligte er von 5.30 bis 13 Uhr und dann folgte das Schreiben für Aufträge, Bücher, Hochschwarzwaldkurier – im Urlaub, an den Wochenenden, zwischendurch, abends. Hier möchte ich anmerken, Roland Weis schaut kein Fernsehen, was sicherlich jedem schnell verdeutlicht, dass man damit in der Tat mehrere Stunden täglich fürs Schreiben und Recherchieren zusätzlich geschaffen hat. „Ich sehe fernsehen als Zeitverschwendung, ziehe mich dann lieber abends in mein Büro zurück und schreibe“. Weis ist äußerst diszipliniert, die Wochenenden sind durchgetaktet, seine Familie macht mit.  Sein Arbeitszimmer im Haus in Neustadt ist zeitgleich Heimatarchiv des Hochschwarzwaldes, eine Kombi aus Bibliothek und Archiv. Ein Bereich, den er sich selbst angesammelt hat, wichtige Zeitungsausschnitte aus der Region, die er wie ein Hamster gehortet hat. Viele Privatleute, die Heimatgeschichte als Hobby gepflegt haben, sahen ihre Schätze bei Roland Weis in guten Händen, das alte Südkurier-Archiv war ein weiterer Baustein dessen, was heute vorhanden ist.

Bücher 2Wenn er schreibt und Informationen braucht, die sich nicht selbst in seinen Regalen finden lassen, dann „klappere ich alles ab, zapfte Gemeindeverwaltungen an, sammle wie ein Eichhörnchen, damit ein Bild entsteht für meine Geschichte“, schmunzelt der ideenreiche Schreiber. Die Regionalkrimis sind für Roland Weis ein Ausgleich, ein Ausgleich zu dem, über was er sonst recherchiert und veröffentlicht, wie die „Große Geschichte des Hochschwarzwaldes“ oder seine aktuellen Projekte. „Die Neue Welt“ - Fünfbändiges Romanprojekt. Anhand der Lebensgeschichte eines spanischen Soldaten und Abenteurers wird die Entdeckungs- und Eroberungsgeschichte Süd- und Mittelamerikas nachgezeichnet. Von der Entdeckung Amerikas 1492 bis zur ersten Befahrung des Amazonas im Jahre 1541. (Drei Bände fertig, Band vier in Arbeit - noch ohne Verlag).

Im Frühjahr 2019 erscheint im Thorbecke Verlag die nächste große regionalgeschichtliche Untersuchung, die „Burgen des Hochschwarzwaldes“, aufwändig illustriert mit zahlreichen Fotos und Skizzen sowie Burgenrekonstruktionen des Zeichners Carlo Büchner aus Sexau. Der Lokalreporter Alfred ist ein bisschen wie Roland Weis es zu Südkurier-Zeiten war
Die Ideen gehen ihm nicht aus und liest man seine Regionalkrimis – der neueste mit „Hochmoorleichen“ ist ja gerade eben erst erschienen – die Rezension findet man in der „Leseecke“ – dann trifft man auf den Lokalreporter Alfred, der so ein bisschen an Roland Weis selbst erinnert, als er zu Südkurierzeiten unterwegs war. Jeden Tag wird fünf bis sechs Stunden geschrieben, knapp vier Monate braucht es für einen Krimi. Die Figur Alfred, historische Ereignisse aus dem Hochschwarzwald, existierende Personen und eigens erdachte - und schon entsteht ein neues Werk. „Von den Krimis könnte ich nicht leben“, lacht Weis, dennoch macht ihm diese Arbeit Spaß. „Ich empfinde eine große Freude, wenn ein Buch veröffentlicht wird, es in der Hand zu halten, Lesungen zu geben und das Werk zu verkaufen“, betont der Autor. Über all die 20 Jahre hinweg wurde der „Güllelochmord“ rund 9.000-mal verkauft.
Und so weit vom Schreiben ist ja seine Tätigkeit bei der Badenova auch nicht entfernt, hier erarbeitet Weis mit seinem Team ein eigenes Print, jährliche Ökologieberichte müssen erstellt werden, Newsletter, Sonderbroschüren und vieles mehr – das hat natürlich immens viel mit Journalismus zu tun.

Roland Weis 2Und nochmal zum Zeitmanagement zurück, um 6 Uhr geht Roland Weis joggen – jeden Werktag, dann fährt er über St. Märgen und das Glottertal zur Arbeit nach Freiburg – für ihn 50 Minuten „Brain storming“. Um 18 Uhr ist er wieder daheim in der Wälderstadt, geht mit dem Hund, bespricht sich mit Ehefrau Caroline, isst gemeinsam mit der Familie und chillt. Ab 20 Uhr sitzt er dann am Schreibtisch. „Disziplin ist das oberste Gebot“, sagt Weis und manchmal lässt er sogar bei Familienfesten oder anderen wichtigen Anlässen seine Arbeit ruhen. „Im Urlaub schaffe ich hingegen extreme Schreibstrecken, aber wenn wir wegfahren, dann ohne Laptop“.

Roland Weis liebt dem Hochschwarzwald, kann sich mit seinen Vorfahren identifizieren und vermisst ein bisschen die „gute, alte Zeit“. Rund 25 Bücher sind bereits von ihm auf dem Markt und man merkt schnell, das Schreiben nicht nur sein Hobby, sondern sein Leben ist. Mit viel Herzblut ist er seit Jahrzehnten bei der Sache – Hut ab und Gratulation zum 20. Krimi-Geburtstag.
„Und als Letztes: Ich habe noch nicht genug!“, sagt uns Dr. Roland Weis.

Text / Bilder: Heike Scheiding-Brode