Der Kindergarten Maria Goretti in Oberkirch-Haslach ist seit der vergangenen Woche ein „Haus der kleinen Forscher“.

Damit ist die Einrichtung eine von 63 im Kammerbezirk der IHK Südlicher Oberrhein. Die Industrie- und Handelskammer ist in der Region Netzwerkpartner der größten deutschen frühkindlichen Bildungsinitiative. Netzwerkkoordinatorin Susanne Stuckmann von der IHK überreichte in einer kleinen Feierstunde Plakette und Urkunde.

PM 62 foto1 HausderkleinenForscher Oberkirch GruppeBehutsam schüttet Lukas das blau gefärbte Wasser in den flachen Teller, stellt das Teelicht in die Mitte und zündet es mit Hilfe der Erzieherin Linda Schindler an. Dann stülpt der Sechsjährige, wie ein echter Forscher mit Kittel und Schutzbrille ausgerüstet, ein Glas über das brennende Teelicht. 40 Kinderaugenpaare sind auf ihn und das Experiment gerichtet. Die Geduld der Kinder wird bald belohnt: Wie durch Zauberhand verlischt die Flamme; das blaue Wasser steigt in das Glas und hebt das Teelicht an.
Das Experiment aus dem Bereich Luft ist eines von vielen, die Erzieherin Schindler mit den Kindern im Kindergarten Maria Goretti im Alltag durchführt. „Durch das Forschen und Experimentieren soll das Interesse der Kinder an naturwissenschaftlichen, technischen und mathematischen Themen ganz spielerisch geweckt und der spätere Zugang zu entsprechenden Berufen gefördert werden“, nennt Susanne Stuckmann den Hintergrund der Bildungsinitiative „Haus der kleinen Forscher“. Als Netzwerkpartner bietet die IHK Workshops für die Fachkräfte aus den Kindergärten, in denen die Erzieherinnen und Erzieher nicht nur erfahren, mit welchen Forscherfragen und Experimenten sie den Entdeckergeist in den Kindern wecken, sondern auch, wie die lernbegleitende Unterstützung aussehen sollte. Stuckmann: „In unseren Workshops setzen sich die pädagogischen Fachkräfte mit ihrer eigenen forschenden Haltung auseinander.“

PM 62 foto3 HausderkleinenForscher Oberkirch EiErzieherin Linda Schindler hat bereits zwei dieser Workshops bei der IHK besucht. „Das ,Haus der kleinen Forscher‘ kannte ich von meiner vorherigen Arbeitsstelle“, erzählt sie. Vera Busam, Leiterin des Kindergartens Maria Goretti, gefiel die Maßnahme, da sie gut in das Konzept der Einrichtung passt. „Bei uns gehört das Forschen einfach dazu. Beispielsweise beim Waldtag, dann bringen die Kinder etwas aus der Natur mit und untersuchen es dann später hier unter dem Mikroskop.“ Dabei würden sie und ihre Kolleginnen die kleinen Entdecker stets fördern, eigene Vermutungen anzustellen. Busam: „Wir versuchen, die fragende Haltung zuzulassen und nicht mehr als nur Impulse zu setzen, aus denen sich wieder neue Ideen entwickeln.“
Für die Zertifizierung als „Haus der kleinen Forscher“ sind die Workshops ein wichtiger Baustein. Außerdem müssen mathematische, naturwissenschaftliche und technische Bildungsinhalte fester Bestandteil im Alltag der Kinder sein. Hinzu kommt eine Dokumentation der Forschertätigkeit. Der Kindergarten Maria Goretti hat nun all diese Voraussetzungen erfüllt und darf die Plakette „Haus der kleinen Forscher“ tragen. Zwei Jahre ist die Zertifizierung gültig, danach ist eine Rezertifizierung erforderlich.
Und auch den Kindern gefällt die Kampagne. „Ich mag es, neue Experimente auszuprobieren“, berichtet Lukas, nachdem er Kittel und Schutzbrille abgelegt hat. Mit strahlenden Augen ergänzt er: „Am besten sind die, bei denen es knallt!“


Hintergrund:

Die gemeinnützige Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ engagiert sich seit 2006 als frühkindliche Bildungsinitiative für eine bessere Bildung von Kindern in den Bereichen Naturwissenschaften, Mathematik und Technik. Die Stiftung hilft Kitas, Horten und Grundschulen, den Entdeckergeist von Mädchen und Jungen zu fördern und sie qualifiziert beim Forschen zu begleiten. Von den 4200 bundesweit als „Haus der kleinen Forscher“ zertifizierten Einrichtungen sind 1000 in Baden-Württemberg, im Kammerbezirk der IHK Südlicher Oberrhein sind es aktuell insgesamt 63 Einrichtungen. Hier ist die IHK seit dem Jahr 2010 lokaler Netzwerkpartner der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“. Sie unterstützt die Aktion im Kammergebiet nicht nur finanziell, sondern die Fachkräfte der Kitas auch mit 30 Workshop-Angeboten im Jahr an den fünf Standorten in Emmendingen, Freiburg, Offenburg, Rust und Biberach. Damit schafft sie die Basis für die Zertifizierung. Mehr als 1.200 Fachkräfte hat die IHK in den vergangenen sieben Jahren bereits geschult. „Mit der Unterstützung der Aktion investiert die Wirtschaft in ihre Zukunft“, sagt Andreas Kempff, Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein. „Berufliche Bildung ist eine wichtige Aufgabe der IHK. Durch die Zusammenarbeit mit der Stiftung ,Haus der kleinen Forscher' wird unsere Zielgruppe eben nur etwas jünger.“ Auch für die Integration von Flüchtlingskindern sieht Kempff in der Aktion Chancen: „Das Staunen und die Faszination über die Experimente funktioniert über alle Sprachbarrieren hinweg.“ Weitere Informationen im Netz unter www.freiburg.ihk.de/forscher.

Foto 1: HausderkleinenForscher_Oberkirch_Gruppe.JPG
Die erste Zertifizierung ist geschafft (v.l.): Susanne Stuckmann von der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein, Kindergartenleitung Vera Busam, Erzieherin Linda Schindler, Maren Wald vom Elternbeirat, Mathias Benz, Leiter Fachbereich Bildung und Kultur bei der Stadt Oberkirch, sowie Brigitte Sturm vom Elternbeirat mit den beiden kleinen Forschern Elsa und Lukas.

Foto 2: HausderkleinenForscher_Oberkirch_Ei.JPG
Passt das gekochte Ei wirklich in das schmale Glasgefäß? Forscherin Elsa und Erzieherin Linda Schindler wollen es mit ihrem Experiment herausfinden.